10 Dinge, die Sie als Produkthersteller über BIM und Autodesk Revit-Familien wissen sollten.

von Thomas Seibel
6. November 2018

Mit dem Thema BIM stellt die Baubranche nicht nur sich selbst sondern auch die meisten Produktherstellern vor eine riesige Herausforderung. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen sind damit oft noch gar nicht in Berührung gekommen. Hier besteht die Chance eine Lösung zu implementieren, die eine übliche BIM-Katalog Lösung übertrifft.

Bei customX ist der Stein über Bestandskunden ins Rollen gekommen. Ähnlich wie es vermutlich Ihnen ergangen ist, stellten wir uns zunächst die folgenden Fragen:

  • Was ist BIM?
  • Was sind BIM-Dateien?
  • Wie werden diese Dateien erstellt?
  • Was sind die Anforderungen an Produkthersteller?
  • Wie kann ich die Qualität einer BIM-Datei abschätzen?

Diese Fragen konnten wir zusammen mit unseren Kunden und den AEC-Experten von Mensch und Maschine beantworten und haben eine Software entwickelt, die im Bereich BIM einzigartig ist. Nachfolgend habe ich einen Teil meiner Erkenntnisse aus der Projektarbeit mit Bestandskunden, Messen und anderen Veranstaltungen zusammengefasst.

1. BIM - ein Marketing- & Vertriebstool

Ob Sie Ihre Türen bei BIMobjects, Ihre Wärmetauscher bei MEP content oder Ihre Lüftungstürme auf der eigenen Website zur Verfügung stellen, dient nur einem Zweck: Ihre BIM Dateien sollen für die Planung verwendet und damit indirekt der Absatz gesteigert werden.

2. Es gibt nicht EIN BIM Modell

Wenn man das BIM Konzept streng betrachtet, gibt es nicht das eine BIM Modell. Im Laufe eines BIM-Projektes wächst es und füllt sich mit Informationen. Die Level of Information (LoI) und Level of Detail (LoD) erweitern sich in einem Projekt über die Zeit. Antony McPhee hat dies sehr schön erklärt.

3. BIM Dateien sind Visitenkarten Ihres Unternehmens

Machen Sie sich bewusst: Wenn jemand mit Ihren BIM Dateien plant, ist diese Person an Ihrem Produkt interessiert. Der Produkthersteller mit qualitativ hochwertigen BIM Dateien ist immer im Vorteil, selbst wenn das Produkt weniger gut ist. Bei einem Kundenbesuch achten Sie ja auch auf Ihr Äußeres.

4. BIM Qualität bedeutet nicht: detailliertes Modell, Teil 1

Konstrukteure lieben Details. Das ist auch gut so, denn für Fertigungszeichnungen, Stücklisten usw. werden diese Informationen bis zur letzten Schraube benötigt. Mit den Details steigt aber auch die Dateigröße. Die Anforderung für BIM ist: Je kleiner die Datei, desto besser! BIM Dateien größer als 1 MB sind oft ein No-Go. Warum? Weil in einem BIM Projekt sehr viele Dateien zusammenkommen und irgendwann die Rechenleistung versagt. Zum Vergleich: Einen Legostein können Sie locker heben, aber die Allianz Arena aus 1 Mio. Legosteinen und einem Gesamtgewicht von 1,5 t schafft selbst der stärkste Mensch nicht.

5. BIM Qualität bedeutet nicht: detailliertes Modell, Teil 2

Planer und Architekten möchten nicht immer alle Details sehen. Daher gibt es in Autodesk Revit beispielsweise die Möglichkeit, zwischen drei Ansichten (grob, mittel, fein) zu wechseln. Teilweise können bis zu drei unterschiedliche Modelle in den Dateien vorhanden sein, die abhängig von der gewählten Ansicht unterdrückt oder sichtbar geschaltet werden können.

6. BIM bedeutet 2D & 3D

Die meisten Planer arbeiten kaum mit der 3D Ansicht. Grundrisse, Schnittansichten, usw. werden in 2D dargestellt – schätzungsweise 95% der Arbeiten spielen sich in 2D ab. 3D wird für die Visualisierung, Präsentation und Qualitätssicherung benötigt. Ihr Produkt muss also nicht nur in drei (grob, mittel, fein) 3D Modellen, sondern auch in 18 [3 (grob, mittel, fein) * 6 (V, H, O, U, L, R)] 2D Darstellungen angezeigt werden.

In den meisten Produkten können diese Ansichten glücklicherweise aus dem 3D Modell abgeleitet werden. Besonders für die feine Ansicht besteht dann die Möglichkeit, die Ansichten mittels 2D Technologie mit Informationen zu erweitern, ohne die Dateigröße übermäßig zu beanspruchen. Beispielsweise wäre ein DWG-Import mit einer Überlagerung der abgeleiteten 3D Geometrie möglich.

7. BIM Qualität bedeutet: Informationen sind wichtiger als Modelle

Genug von den Modellen! Die wahre Stärke von BIM Dateien liegt nicht in den Modellen, sondern in den Informationen in Form von Parametern, die mit den Modellen verknüpft werden. Und hier fängt die Problematik an. Welche Parameter sollen enthalten sein? Wann dürfen diese einen Wert besitzen? Gibt es länderspezifische Regelungen? Gibt es Vorgaben von Verbänden? …

Ein positives Beispiel ist der HKI (Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik e.V.). Hier haben Planer und Fertiger zusammen eine Richtlinie entworfen. Auf der Website des HKI können Sie eine Tabelle downloaden, die alle benötigten Parameter auflistet.

Die Entscheidung, welche Informationen in die Dateien eingefügt werden muss reiflich überlegt und unter Einbeziehung zahlreicher Faktoren entschieden werden.

8. Produktlogik nicht veröffentlichen

Dank der Parameter kann ein solches Modell oft auch parametrisch aufgebaut werden. Dadurch erhalten Sie die Möglichkeit, in einer BIM Datei mehrere Varianten abbilden zu können. Das Problem liegt nur darin, dass Sie diese Produktlogik damit für jeden – auch für Konkurrenten – zugänglich machen.

Ein weiteres Problem kann bei unterschiedlichen Nutzergruppen auftauchen. Dazu ein Beispiel: Als Hersteller von Sicherheitskameras möchten Sie natürlich nicht jedem Nutzer die sicherheitsrelevanten Daten zur Verfügung stellen, um die Gefahr der Ausnutzung möglichst gering zu halten. Hier sollte nur der Planer die abgedeckten Sichtbereiche kennen. Ein Planer für die Elektroleitungen sollte dagegen nur die elektrischen Anschlussinformationen einsehen können.

9. Strategien zur Erstellung von BIM Daten

Zurzeit gibt es drei Strategien mit Relevanz auf dem Markt. Alle Strategien weisen Vor- und Nachteile auf, die jedes Unternehmen für sich selbst abwägen muss:

Erstellen der Dateien durch externe Dienstleister
Bei einem guten Dienstleister erhalten Sie in absehbarer Zeit gute BIM-Dateien in sämtlichen Dateiformaten und müssen bis auf Geld keine weiteren Ressourcen zur Verfügung stellen. Allerdings müssen Sie zum einen Ihr gesamtes Produktwissen nach außen geben und zum anderen binden Sie sich bei Wartungen. Das kann auf lange Frist sehr teuer werden und zu Verzögerungen führen.

BIM-Technologien einkaufen und eigene Mitarbeiter darin schulen
Diese Methode benötigt Zeit, da zunächst die Technologie eingekauft und Mitarbeiter entweder eingestellt und auf das eigene Produkt eingewiesen werden müssen oder bestehende Mitarbeiter sich mit der BIM Technologie vertraut machen müssen. Ansonsten haben Sie jedoch alle Möglichkeiten in der Hand, sind flexibel und unabhängig.

Vorhandene Konstruktionsdaten verwenden
Konstruktionsdaten sind bei jedem Produkthersteller vorhanden. Wieso nicht einfach diese Daten nutzen? Das Problem liegt hier an den Schnittstellen und damit in der Qualität der BIM Dateien. Darüber hinaus sind die meisten Konstrukteure nicht für BIM Daten ausgebildet und werden nur schwer zu überzeugen sein, ein weiteres Datenformat zu pflegen.

10. Die Problematik von Varianten

Die meisten bestehenden Lösungen sind auf Standardprodukte ausgelegt, die man in einem Katalog abbilden kann. Dieses Prinzip eignet sich perfekt für Downloadplattformen. Allerdings gibt es viele Produkthersteller, deren Produkte sehr starke Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Bauteilen, komplexe Produktlogiken aufweisen oder aber aus dem Bereich Projektierung kommen. Stellen Sie sich zum Beispiel einen Industrieregalhersteller vor, der ein Amazonlager ausstatten soll. Selbst wenn es von den einzelnen Trägern, Laufgittern, Regaleinsätzen usw. bereits BIM-Dateien gibt, wäre der Aufwand enorm, das gesamte Projekt in seiner Form darzustellen. Im Bereich Vertrieb und Konstruktion setzt man daher schon längst Hilfsmittel und Tools wie Konfiguratoren ein. Manche dieser Konfiguratoren sind mittlerweile auch in der Lage, BIM Dateien von Produktvarianten und Projekten automatisch zu erzeugen und damit für den Einsatz bei variantenreichen Bauzulieferprodukten optimal geeignet.

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