Produktwissen digitalisieren und Projekte organisieren

von Thomas Seibel
1. Juli 2019

Zusammen mit dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und Herrn Dr.-Ing. Sören Lechner von DLP Engineers GmbH richteten wir am 25. Juni 2019 einen Workshop zum Thema Produktkonfiguration im Das K - Kultur- und Kongresszentrum in der Nähe von Stuttgart aus.

Die Agenda bestand aus:

  • Begrüßung der Teilnehmer - Dr. Marc-Daniel Moessinger
  • Bedeutung der Produktkonfiguration im Maschinen- und Anlagenbau - Volker Schnittler
  • Einführung und Überblick in die Produktkonfiguration - Dr.-Ing. Sören Lechner
  • Praktische Ausarbeitung eines Beispielproduktes - Teil 1: Produktwissen digitalisieren - Klaus Kreckel
  • Praktische Ausarbeitung eines Beispielproduktes - Teil 2: Projektumsetzung - Klaus Kreckel
  • Projektorganisation - Dr.-Ing. Sören Lechner & Klaus Kreckel
  • Ausblick und Abschlussdiskussion

Ziel war es, den Teilnehmern Wissen rund um das Thema Produktkonfiguration zu vermitteln, Hilfsmittel an die Hand zu geben und Lösungsansätze für typische Hürden aufzuzeigen, die ein solches Konfigurationsprojekt immer mit sich bringt. Zurzeit wird das Feedback ausgewertet. In Kürze werden sich die Organisatoren zusammensetzen, um über eine Fortsetzung der Veranstaltung zu beraten.

 

Klaus Kreckel sprach mit uns über seine Intention und seine Eindrücke von der Veranstaltung:

"Digitalisierung gelingt meiner Meinung nach dann, wenn das Wissen um ein Produkt vollständig erfasst und transparent ist"

Klaus Kreckel, Geschäftsführer customX GmbH, im Interview

Thomas Seibel: Konfigurationen sind individuelle Projekte, die sich durch die unterschiedlichen Produkte, Unternehmen und deren Zielsetzungen in Art und Umfang stark unterscheiden. Daher stelle ich es mir schwierig vor, für eine solche Veranstaltung eine praktische Ausarbeitung durchzuführen.

Hallo Klaus, als erfahrener Projektingenieur hast du diesen Teil übernommen. Was wurde gemacht?

Klaus Kreckel: Hallo Thomas, in der Tat war dies eine Herausforderung. Mir war jedoch wichtig, ein praktisches Beispiel als Stellvertreter zu nutzen, um den Teilnehmern gewisse Grundprinzipien zu veranschaulichen und zu zeigen, was es bedeutet, sich eines solchen Konfigurationsprojekts anzunehmen.

Thomas Seibel: Was meinst du damit konkret?

Klaus Kreckel: Der erste Schritt besteht darin, eine spätere Umsetzung vorzubereiten. Ein wesentlicher Punkt für diejenigen, die im Unternehmen die Verantwortung für ein solches Projekt übernehmen und sich später für einen Konfigurator entscheiden müssen. Der erste Teil handelte daher ausschließlich von dem Verständnis, welches Wissen über ein Produkt zusammengetragen werden muss, wo es vorhanden ist, wie man Zugang dazu bekommt und wann dieser Prozess abgeschlossen ist. Digitalisierung gelingt meiner Meinung nach dann, wenn das Wissen um ein Produkt vollständig erfasst und transparent ist. Gleichzeitig ermöglicht dies in perfekter Weise die künftige Pflege.

"Fertigungszeichnungen sind nur Auszüge ... vom Produktwissen"

VDMA Workshop Produktkonfigurator

Thomas Seibel: Wie hast du die Teilnehmer in dieses Thema involviert?

Klaus Kreckel: Wir haben uns im Vorfeld ein Szenario überlegt, wie ich es fast tagtäglich bei Kunden vorfinde. Man bekommt einen Stapel Fertigungszeichnungen vorgelegt, denn im CAD ist angeblich das gesamte Produktwissen abgebildet.

Thomas Seibel: Ist es das nicht?

Klaus Kreckel: Abgebildet schon, aber eben nur einzelne Fälle. Fertigungszeichnungen sind nur Auszüge. Ein kleiner Teil vom gesamten Produktwissen. Ich habe daher die Teilnehmer ins kalte Wasser geworfen und in Gruppenarbeit anhand eines praktischen Beispiels die wichtigsten Punkte bei der Zusammenstellung des Produktwissens erarbeiten lassen.

Thomas Seibel: Darunter zählt für dich?

Klaus Kreckel:

  • Produktstruktur
  • Beschreibung von Ausprägungen mit Hilfe von Parametern (Merkmale)
  • Betrachtung von Positionen
  • Formulierung von Gültigkeiten und Einschränkungen von Teilen
  • ...

Damit sollte ein Verständnis erworben werden, wie umfangreich die Arbeiten in einem konkreten Fall werden.

"Erfahrungen und Umgang mit Konfiguratoren waren bereits vorhanden"

VDMA Workshop Produktkonfigurator

Thomas Seibel: Welche Ergebnisse konnten die Teilnehmer vorbringen. Gab es für dich Überraschungen?

Klaus Kreckel: Überraschenderweise versuchten die Teilnehmer sofort, die Struktur und Parameter aufzubauen. Hier war bereits durch Erfahrungen und Umgang mit Konfiguratoren die Vorgehensweise klar. Dagegen waren Beschreibungen von Gültigkeit und Positionen kaum in der Übung betrachtet worden. Was zeigte, dass der Erfahrungshintergrund der Anwesenden von standardisierten und modularisierten Produkten (klassisches Variantenmanagement) geprägt war, weniger von Variantenprodukten mit Längenvarianz bis hin zur Losgröße 1.

Thomas Seibel: Mit Vollendung der beschriebenen Aufgabe, ist deiner Ansicht damit die Digitalisierung des Produktwissens abgeschlossen?

Klaus Kreckel: Ja, was die Vorbereitung betrifft. Man darf diese Aufgabe nicht unterschätzen. Zeitlich gesehen ist dies der größte Anteil eines Projekts. Außerdem bestimmt die Güte der Ergebnisse den Umsetzungs- und Pflegeaufwand im Anschluss. In der Produktentwicklung legt man den Fokus schließlich auch auf die Planung, da dort die Kosten noch gering sind.

"Habe die gängigen Schnittstellen und Ausgabedokumente aufgeführt"

VDMA Workshop Produktkonfigurator

Thomas Seibel: Wie sieht für dich die Implementierungsphase aus?

Klaus Kreckel: Neben der Abbildung des Produktwissens in einem Konfigurator kommen die Bearbeitung der folgenden Komponenten hinzu:

  • Klärung der Benutzergruppen und der Gestaltung des dazugehörigen Dialogs
  • Realisierung diverser Schnittstellen wie dem ERP-System
  • Festlegung und Realisierung der gesamten Ausgaben von Angeboten und Leistungsblättern bis hin zu Konstruktions- und Fertigungsdokumenten

Dies habe ich der Vollständigkeit halber ebenfalls in diesem Workshop dargestellt und die gängigen Schnittstellen beziehungsweise Ausgabedokumente aufgeführt.

Thomas Seibel: Für einen einzigen Workshop ist das eine Menge Inhalt. Würdest du bei einem nächsten Termin was anders machen?

Klaus Kreckel: Ja, wie auch das Feedback am Ende zeigte, kann man nicht bestimmte Industrie- oder Anwendungsbereiche gleichsetzen. Zukünftig wäre aufzutrennen nach Interessenten mit Produkten von:

  • Standardisierten Baugruppen
  • Längenvarianten Produkten
  • Produkten, die eine Planung, Projektierung oder räumliche Anordnung erfordern

Weitere Impressionen

Weitere Beiträge

Wie gestalte ich das Frontend im Web für Konfiguratoren?

Web-Auftritt von Produktkonfiguratoren

Durch webfähige Produktkonfiguratoren wie customX werden vermehrt Techniker mit Frontend-Konzipierung konfrontiert. Erfahren Sie hier Tipps und Tricks rund um das Thema (Web-)Frontend bei Konfiguratoren.

Beitrag lesen
Revit-Familien im BIM Projekt eingebaut

Automatisation von BIM-Dateien

Automatisieren Sie die Erstellung von BIM-Dateien auf Basis Ihrer vorhandenen Konstruktionsdaten. Finden Sie heraus, was das customX BIM-Modul kann, wie es funktioniert und wie es Ihrem Unternehmen nutzen kann.

Beitrag lesen
BIM in der Architektur und TGA

10 Dinge über BIM

Erfahren Sie 10 Dinge über BIM, die Sie als Fertiger wissen sollten.

Beitrag lesen